Juanita Henning über den Warencharakter der Prostitution (Auszüge)

Wenn Alice Schwarzer (EMMA), Lea Ackermann (SOLWODI), Alexandra Schewtschenko (FEMEN), Sabine Constabel (Sozialarbeiterin) und andere Frauen im Namen des Feminismus gegen Prostitution zu Felde ziehen, tun sie das häufig mit Slogans wie “Die Frau ist keine Ware” oder “Prostitution ist Sklaverei”. Sie verurteilen den Kauf und Verkauf von Frauen und Kindern in der Prostitution durch Männer, die deren Zuhälter oder Freier sind. Die ständige Iteration dieser erniedrigenden, demütigen Phrasen löst Aggressionen in mir aus, denn sie sind nicht einfach nur falsch, sondern verfestigen das gesellschaftliche Bild von der Prostituierten als Objekt und defizitärer Mensch und damit das Stigma. Ich habe es soo satt! Zu behaupten, die Frau sei Ware ist sowas von politisch unkorrekt – niemand in unserer Gesellschaft, außer diesen vermeintlich feministischen Prostitutionsgegnerinnen, tut das heute noch ernsthaft. Und damit muß jetzt endlich mal Schluß sein!

In ihrem Vortrag zum spezifisch historischen Wesen der Prostitution [PDF] erklärt Juanita Henning vom Dona Carmen e.V. sehr ausführlich, welch paternalistische Weltbilder im Hintergrund solcher Slogans stehen und warum die Rede von der “Ware Frau” das Stigma verstärkt. Da sie es schon so schön in Worte gefaßt hat, möchte ich hier einfach einige Auszüge aus ihrem Vortrag posten, die in meinen Augen die Essenz der Kritik zusammenfassen.

Juanita Henning: Was macht das spezifisch historische Wesen der Prostitution aus?

» In der Prostitution werde die Frau zur käuflichen Ware, heißt es seitens feministischer Kritiker/innen. Je nach Sichtweise wird mal die Frau, mal ihr Körper, mal die Sexualität, mal die Liebe, mal Gott weiß was zur ‚Ware‘. […] Doch […] weder die Frau, noch ihr Körper werden zur Ware und als solche ‚verkauft‘. Was Frauen in der Prostitution tatsächlich verkaufen, ist eine sexuelle Dienstleistung. Und zwar als eine von den Frauen mit ihrem Gegenüber ausgehandelte, somit selbst bestimmte und vertraglich vereinbarte, zeitlich begrenzte Nutzung ihrer sexuellen Dienstleistung zum Zwecke der Befriedigung […]. Die inflationäre Verwendung des vermeintlich kritischen Begriffs der ‚Ware‘ vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, […]. [Es geht] doch selten um eine historische Kritik der gesellschaftlichen Formation kapitalistischer Warenproduktion […]. Das Höchste, wozu diese Kritik gelangt, ist die moralische Denunziation der Warenform. «

Zum Unterschied zwischen Waren und Dienstleistungen

» Die Anwendung des Begriffs ‚Ware‘ auf die Verhältnisse in der Prostitution müsste allerdings zur Kenntnis nehmen, dass hier eine nicht-gegenständliche Dienstleitung verkauft wird, die für sich genommen zunächst gar keine Ware ist. […] ‚Waren‘ im Sinne der Marx’schen Theorie entstehen nur in der materiellen Produktion der Naturaneignung unter der spezifisch historischen Bedingung einer Produktion unabhängiger, vereinzelter Privatproduzenten. ‚Dienstleistungen‘ – mithin auch ‚sexuelle Dienstleistungen‘ – […] sind mithin besondere Waren, deren ‚Warencharakter‘ erst durch den eigentlich sekundären Akt der Veräußerung auf dem Markt entsteht […]. Die im Kapitalismus zweifellos ‚warenförmige‘ prostitutive Dienstleistung hat […] einen über den Markt festgesetzten Preis, über den die Frau, die ihre sexuellen Dienstleistungen veräußert, an der Umverteilung des gesellschaftlich erzeugten Reichtums teilhat. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Person, die eine Dienstleistung veräußert, sich dabei selbst als Person mit verkauft. Dies ist weder bei einem öffentlich auftretenden Sänger, noch bei einem Rat gebenden Anwalt der Fall. Die Besonderheit der Intimität, die die sexuelle Dienstleistung auszeichnet, ändert an diesem allgemeinen Verhältnis nichts […]. «

Die Zuschreibung eines Objektstatus als Stigmatisierung

» Die Rede davon, dass Frauen in der Prostitution sich bzw. ihren ‚Körper‘ verkaufen und somit selbst in Persona zur Ware würden, suggeriert einen bloßen Objektstatus dieser Frauen. Die Person ist nichts außerhalb ihres Körpers. Wird unterstellt, der Körper würde verkauft, so wechselt zugleich die Person den Besitzer. Das aber käme einem Sklaverei-Verhältnis gleich. Es ist auffallend und bezeichnend, dass nur im Falle der Prostitution die Entäußerung einer Dienstleistung als Entäußerung der dienstleistenden Person dargestellt wird. […] Nur durch diese unzulässige Vertauschung gelingt die Konstruktion eines sklavenartigen Verhältnisses, in dem die Prostituierte sich angeblich befindet. Es ist diese […] Zuschreibung eines vermeintlichen Objektstatus, nicht aber die damit vorgeblich bezeichnete Realität prostitutiven Handelns, die damit den Frauen in der Prostitution jegliche eigene Subjektivität und jedes selbstbestimmte, bewusste Handeln abzusprechen versucht. Derart des Verlustes ihrer Subjektivität und Selbstbestimmung bezichtigte Frauen erfahren auf diese Weise eine […] Abwertung ihrer Person, ihres Handelns, ihrer Existenz. Eine solche umfassende Abwertung befördert die gesellschaftliche Stigmatisierung von Frauen in der Prostitution.«

» Die feministische Fixierung auf die ‚Person‘ der Frau bzw. deren ‚Körper‘, der im Prostitutionsverhältnis zur Ware und als solche ‚verkauft‘ wird, scheint […] den Nachweis erbracht zu haben, dass es sich bei Prostitution um „moderne Sklaverei“ handelt. Prostitution wird als systemwidrige Abweichung von der bürgerlichen Tauschlogik denunziert. […] Als Überbleibsel vergangener Zeiten erweist sich Prostitution als ein von der Norm des bürgerlichen Tausches abweichende Regelverletzung, der das fehlen soll, was die bürgerliche Epoche zu begründen beansprucht: die Selbstbestimmung des Individuums und der darauf gegründete freie Wille. Indem man annimmt, Prostituierte würde in den ‚Verkauf‘ ihres Körpers einwilligen, unterstellt man einen von aller Subjektivität und Personalität entledigten bloßen Objektstatus dieser Frauen. Von Selbstbestimmung und freiem Willen könne bei ihnen grundsätzlich keine Rede sein. «

Abwertung und Marginalisierung der Selbstbestimmten

» Frauen in der Prostitution gelten in bürgerlichen Gesellschaften allenthalben als ‚defizitär‘. […] [Es existieren] mannigfaltige Theorien, um den defizitären Charakter, die defizitäre Verstandeskraft, die defizitäre körperliche Verfassung, die defizitären wirtschaftlichen Umstände, die defizitären Familienstrukturen, die defizitäre primäre Sozialisation, die defizitäre psychische Stabilität und nicht zuletzt die defizitäre Selbstwahrnehmung der Prostituierten unter Beweis zu stellen. […] Solcherart als ‚defizitär‘ vorgestellte ‚Prostituierte‘ werden – da man sie sich ohnehin nur als Objekte denken kann – von den Institutionen der bürgerlichen Gesellschaft bedenkenlos und mit großer Selbstverständlichkeit als Objekte behandelt und ihrer Selbstbestimmung beraubt. Als gleichsam geborene ‚Opfer‘ der eigenen Defizite oder aber misslicher gesellschaftlicher Umstände, derer sie sich aufgrund eigener Defizite angeblich nicht erwehren können, ist Frauen in der Prostitution entweder die Rolle der normbrechenden Täterin, die man kriminalisiert, oder aber die Rolle des Hilfe erwartenden Opfers zugedacht, das ungefragt zum Objekt institutioneller Zwangs-Fürsorge wird. «

» Entziehen sich Frauen in der Prostitution ihnen zugedachten Rollenzuweisungen, indem sie sich als selbstbestimmte, bewusst handelnde und vollwertige Mitglieder dieser Gesellschaft darstellen, so werden sie […] als nicht zu verallgemeinernde Ausnahme von der Regel marginalisiert oder als anmaßend und daher unglaubwürdig auftretende Personen abgetan und abgestempelt. […] Die auf den ‚Warencharakter‘ verweisende Kritik der Prostitution befestigt die Objektrolle, die den in dieser Profession tätigen Frauen […] ohnehin zugedacht ist. Die Kritik wähnt sich radikal, tatsächlich transportiert sie eine konservative Einstellung gegenüber Prostitution. […] Der konservative Charakter […] dokumentiert sich nicht zuletzt darin, dass sie eine bloß moralische Kritik ist. Sie verübelt den Betroffenen ihr Handeln und glaubt sich daher berechtigt, Prostitution […] öffentlich an den Pranger zu stellen und Prostituierte […] als defizitäre, hilfsbedürftige Opfer zu stigmatisieren. Damit trägt sie bei zur Schaffung der Voraussetzungen für eine […] Bekämpfung und Verfolgung von Prostitution. «

Ich denke, es wird hierdurch klar, wo die Grenze zwischen Prostitution und Sexarbeit auf der einen und Menschenhandel und Sklaverei auf der anderen Seite verläuft. Die simplifizierende und relativierende Gleichsetzung von Prostitution mit Sklaverei und sexuellen Dienstleistungen mit sexueller Ausbeutung ist unzulässig. Wenn man, wie die oben genannten Prostitutionsgegnerinnen, aber davon ausgeht, dass jede sexuelle Dienstleistung ein Akt der Veräußerung der dienstleitenden Person sei, also Sklaverei, dann ist auch klar, warum man uns Sexarbeitern keinen eigenen Willen und keine Selbstbestimmung zugesteht. Dann ist auch klar, warum wir so vehement viktimisiert und unsere Profession geächtet wird. Feministisch ist das nicht!


 
 
 

7 Kommentare zu “Juanita Henning über den Warencharakter der Prostitution (Auszüge)”

  1. sunflower22a
    21. August 2013 um 13:27

    sehr guter Beitrag. Wobei anzumerken wäre, dass die sozialistischen Länder damals Prostitution auch verboten haben und nicht etwa als staatlichen “VEB Bordell” angeboten haben, also die bürgerliche Moral genauso verinnerlicht hatten.
    Aber dieser Unsinn mit dem Körper verkaufen – mit noch mehr Recht könnten wir behaupten, der katholische Priester oder die Nonne haben ihren Verstand an die Kirche verkauft – schließlich binden sie sich sogar fürs ganze Leben und hören dann auf, selbstbestimmt zu leben, sondern nach den Normen und Zwängen ihres Vereins.

  2. Mavis
    27. August 2013 um 13:09

    Was Henning allerdings in ihrer Argumentation vergisst, ist, dass die Arbeitskraft selbst bei Marx eine Ware ist, insofern ist auch die sexuelle Arbeitskraft, die im Falle einer sexuellen Dienstleistung verausgabt wird, Ware, die einen Tausch- und einen Gebrauchswert hat. Aber ebensowenig wie der Arbeiter durch den Verkauf seiner Arbeitskraft an den Kapitalisten dadurch zum Sklaven wird (dass er kein Sklave ist, sondern freier Lohnarbeiter, ist Voraussetzung dafür, dass er seine Arbeitskraft auf dem Markt veräußern kann), ebensowenig wird die Prostituierte dadurch zur Sklavin. Auch verkauft sie natürlich nicht ihren Körper zur freien Verfügung (zum Beispiel zum Zweck der Organentnahme o.ä.), sondern sie bietet eben ihre sexuelle Arbeitskraft feil.

    Und zwar ist die Arbeitskraft bei Marx eine ganz spezielle Ware, diejenige, die das ganze Ding Kapitalismus erst ins Rollen bringt: sie ist nämlich in der Lage, Mehrwert zu schaffen, d.h. ihr Produkt ist mehr wert als sie selbst kostet. Ob eine Arbeitskraft in diesem Sinne produktiv ist, also zur kapitalistischen Mehrwertproduktion dient oder nicht, hängt von ihrer Funktion ab, nicht vom Inhalt der Arbeit: auch sexuelle Arbeitskraft kann demnach Mehrwert schaffen, also Profit für den Unternehmer abwerfen, in dessen Dienst sie steht, oder eben nicht, wenn sie z.B. als kleine Selbständige arbeitet.

    Hier ein paar Textstellen von Marx zu Dienstleistungen: http://www.trend.infopartisan.net/trd0901/t390901.html

  3. carmen
    27. August 2013 um 19:41

    Richtig, das arbeitet sie tatsächlich nicht explizit genug heraus, was aber vielleicht auch dem Umstand geschuldet ist, dass der Warenbegriff im Zusammenhang mit Prostitution immer falsch gebraucht wird. Es heißt immer, es würden Frauen, Menschen, Seelen und Körper verkauft, was ja nicht der Fall ist. Es wird die Ware Arbeitskraft verkauft. Die, die das leugnen, sprechen uns ab, dass es sich bei sexuellen Dienstleistungen überhaupt um Arbeit handelt. Genau deshalb sprechen wir von Sexarbeit, weil wir Anerkennung unserer Erwerbstätigkeit als Arbeit fordern.

    Zur Anerkennung als Arbeit gehört eben auch zu akzeptieren, dass einige von uns wegen des Geldes arbeiten, vielleicht sogar die meisten, einige evtl. sogar aus dringender finanzieller Not und ohne Spaß bei der Arbeit. Aber genau das ist ja in allen anderen Branchen auch der Fall. Nur wird das in denen von ProstitutionsgegnerInnen nicht infrage gestellt oder kritisiert, woran man eben die Doppelbödigkeit und Verlogenheit dieser KritikerInnen erkennt.

  4. Tilopa
    12. September 2013 um 14:48

    >@sunflower22a:
    >”Wobei anzumerken wäre, dass die sozialistischen Länder damals Prostitution auch verboten haben und nicht etwa als staatlichen “VEB Bordell” angeboten haben, also die bürgerliche Moral genauso verinnerlicht hatten.”

    Deshalb würde ich diese Länder auch nur als “dem Namen nach sozialistisch” (nominalsozialistisch) bezeichnen. Dass im “Marxismus-Leninismus” (verstanden als Machtideologie eines Bürokratenregimes) unliebsame VordenkerInnen (z.B. Rosa Luxemburg) systematisch “vergessen” gemacht und frühere GenossInnen sogar reihenweise ermordet wurden, ist ja hinlänglich bekannt.

    Gegen jede Form der Kriminalisierung der Sexarbeit haben sich unter anderem Engels [1], Bebel [2] und Kollontai [3] ausgesprochen und Luxemburg hat sogar konkret versucht, Sexarbeiterinnen gewerkschaftlich zu organisieren [4].
    Und noch vor Kurzem hat die kubanische Regierung (was immer man von ihr halten möchte) den Feministinnen von CEDAW ins Stammbuch geschrieben:
    [D]as Phänomen der Prostitution sei keine Folge von Diskriminierung oder Gewalt gegen Frauen. Diese Strukturen seien mit dem Sieg der Revolution eliminiert worden. Die Praxis der Prostitution in Kuba sei “eine persönliche Entscheidung von Frauen und Männern, die in der Ausübung der Prostitution eine Möglichkeit sähen, an bestimmte Konsumgüter zu gelangen, die einen höheren Lebensstandard ermöglichen als dem Rest der arbeitenden Bevölkerung(…).” [5].

    Wenn man sich dann noch die Utopien des Frühsozialisten Charles Fourier [6] durchliest, würde ich sogar sagen, dass sozialistische Bordellbetriebe [7,8] eine absolut notwendige Bedingung für den Sieg der Revolution sind. ;)

    [1] Friedrich Engels (1892): Engels an Bebel, 22.12.1892, MEW 38, S. 552
    [2] August Bebel (1892): Reichtagsprotokolle, 1892/93,1, 8. Sitzung, 3. Dezember 1892, S. 143-151
    [3] Alexandra Kollontai (1921): Prostitution and ways of fighting it, Marxist Internet Archive
    [4] Clara Zetkin (1925): Erinnerungen an Lenin, Marxist Internet Archive
    [5] http://www.npla.de/de/poonal/4381-kuba-weist-un-kritik-an-umgang-mit-prostitution-zurueck
    [6] Charles Fourier (1816-18 / 1967): Le Nouveau Monde Amoureux
    [7] https://farm5.static.flickr.com/4107/5004926026_6295cb16ac_b.jpg
    [8] Marcela Iacub (2012): Pour un service public du sexe, http://www.liberation.fr/societe/2012/09/28/pour-un-service-public-du-sexe_849619

  5. an der ostsee
    6. Dezember 2013 um 17:04

    Spannende Diskussion.
    Ich halte bürgerliche Moralisierungen in der Debatte auch nicht für sinnvoll. Aber die Gleichsetzung von sexarbeit/Prostitution mit anderen Formen von Dienstleistungen, ist zwar analytisch korrekt aber halt auch nur nach Abstraktion der Spezifik der Sexualität, die so finde ich, eine Besonderheit menschlichen Seins darstellt. (Eine Kellnerin arbeitet duchaus auch mit ihrer Sexualität, aber auch halt nicht so extrem) Wenn wie hier geschieht sich für die Abstraktion von der Qualität der Ware (also der Tauschwert dem Gebrauchswert vorgezogen wird) stark gemacht wird, um die Selbstbestimmtheit des Berufs hervorzuheben, und einer Objektiviierung (also einer Verdinglichung) zu entgegenen, dann geschieht dass zum Preis der Verdinglichung selbst. (schade dass das den bisherigen KommentatorInnen, die wie es scheint in Marx doch bewandert sind nicht aufgefallen ist)
    Wäre es nicht sinnvoller, die Besonderheit des Berufs hervorzuheben, um gesetzlichen verbriefte Rechte zu erlangen? Und dies vor dem Hintergrund, dass Sexarbeit/Prostitution in einem (von mir nicht einzuschätzenden) Ausmaße immernoch Zwangscharakter trägt. (also durchaus auch als Sklavenarbeit
    bezeichnet werden kann) Liegt nicht auch in ihrer Diskussionsführung die Gefahr, der Entsolidarisierung mit Zwangsprostitution?
    Und nochnmal zurück zu Marx. Fakt ist dass Sexarbeit/Prostituion, objektiv den gleichen Gesetzen der warentauschenden Gesellschaft unterliegt wie jede andere Lohnarbeit und mittlerwile auch jedweder zwischenmenschlicher Beziehung. (Den Gesetzen wie sie in soziologischen rational choiche Theorien ihren ideologischen Ausdruck haben) Wäre es aber nicht wünschenswert die menschliche Sexualität als den Ort an dem der quantiative vergleichbare, gleichtönige Alltag zumindest punktuell durchbrochen werden kann nicht auch noch subjektiv alles qualitative zu nehmen, indem man ihn den vertragsbestimmten zwischenmenschlichen Beziehungen einverleibt Dies klingt zwar so ist aber durchaus kein Argument gegen Sexarbeit/Prostitution an sich.

    Ich sehe zumindest in den Argumentation von Schwarzer und co den bürgerlichen Versuch in der sexualität das Residuum gegen die Eintönigkeit des kapialistischen Seins zu bewahren. Natürlich verfängt sich dieser Versuch wegen falscher Analyse in den Fallstricken (auf die sie mit ihrer Kritik ja hinweisen) eben jener doppelbödigen entsexualisierten bürgerlichen Moral.

    Eine Kritik an den jetzigen geplanten Gesetzesänderungen sollte aber diesen Versuch mit einer marxistischen Analyse koppeln. Und aus einer solchen Alliance Forderungen aufstellen, die nicht der Einebnung der letzten potenziellen Bastionen menschlichen Widerständigkeit gegen das ins letzte menschliche Atom hineinwirkende warenförmige der kapitalistischen Verhältnisse.

  6. carmen
    7. Dezember 2013 um 17:13

    Sex ist nur insofern eine Besonderheit des menschlichen Seins, als dass er vor der Erfindung der künstlichen Befruchtung eine Voraussetzung für den Erhalt menschlichen Lebens auf er Erde war. Ansonsten haftet ihm nicht mehr Heiligkeit an, als jedem anderen irdischen Ding, weshalb ich keinen Grund sehe, ihn nicht zum Gegenstand kapitalistischer Tauschgeschäfte zu machen. Es zwingt dich ja niemand, an diesem Handel teilzunehmen.

    Die Frage ist nicht, wie “besonders” Prostitution ist oder ob Marx Prostitutionsgegner war, sondern ob Prostitution nach heutigen Gesichtspunkten rechtlich eher als Arbeit oder eher als Gewalt gegen Menschen einzustufen wäre. Meiner Meinung nach handelt es sich um Arbeit, die durch das Grundrecht auf freie Berufswahl nach §12 GG geschützt sein sollte.

    “Zwangsprostitution” ist hingegen ein Kampfbegriff der Prostitutionsgegner, der rechtlich überhaupt nicht gefaßt ist. Was du meinst, ist entweder Vergewaltigung oder Ausbeutung oder Menschenhandel oder Zwangsarbeit oder Sklaverei. Nichts davon ist nach deutschem Recht erlaubt, auch da nicht, wo sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt erbracht werden. Niemand fordert, diese Straftaten zu erlauben. Da sie aber nicht kausal mit Prostitution einhergehen, sondern auch unabhängig von ihr existieren, gibt es überhaupt keinen Grund, sie prostitutionsspezifisch noch einmal extra zu verbieten und ergo Prostitution rechtlich besonderer zu behandeln, als es nötig wäre. Zwangsarbeit und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder die persönliche Freiheit sind in jedem Berufszweig verboten, auch in der Prostitution. Da gibt es überhaupt keine Diskussion.

    Aber wenn ich mich Kraft meiner Wassersuppe entscheide, gegen Geld vögeln und dadurch meinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen – so what!? Auf welcher Grundlage willst du mir das verbieten? Wenn deine religiöse Überzeugung dir verbietet, Sex außerhalb einer von Liebe geprägten Paarbeziehung zu haben, okay, dann laß es halt. Aber warum muß der Rest der Welt nach deinen Glaubensgrundsätzen leben?

  7. an der ostsee
    8. Dezember 2013 um 02:38

    Hmm ich denke sie haben mein Anliegen missverstanden. Zur meiner Verteidigung ich war müde und habe mich blöd ausgedrückt.

    Objektiv gesehen ist Sexarbeit das gleiche wie Haare schneiden oder wie in meinem Fall Kranke zu pflegen. Ich verkaufe meine Arbeitskraft und eine gewisse vorherbestimmte Zeitspanne eines Lebenstages. (und das jeden Tag neu). Das Produkt ist verausgabte Arbeit (betätigung meines Körpers und meines Hirns) am kranken Menschen. Die Qualität unserer Dienstleistungen ist aber eine andere. Und das meine ich völlig bewertungsfrei. In meinem Fall habe ich im besten Fall einen menschen gesund gemacht und der ist wieder in der Lage seine Arbeitskraft in die kapitalistische Zirkulation zu werfen. Und wenn ich Glück habe ist er froh in mir eine Unterstützung gefunden zu haben.
    In Ihrem Fall hat ein Mensch ein Orgasmus bekommen, er hat Glücksgefühle und im besten Fall einen Moment der Ekstase erlebt.
    Und um diesen Moment der Ekstase geht es mir wenn ich von der Besonderheit des menschlichen Sexualität geredet habe. Es ist doch der wirklich gelungene Sex, das für einen Moment vergessen läss, indem man kurzeitig aufgeht im Gegenüber, der ein berauscht. Ein kurzer Durchbruch in einem Leben geprägt von Eintönigkeit. (jeden Tag das Gleiche, jeden Tag Arbeit, die gleichen Gesichter, die gleichen nichtsagenden Gespräche, die gleiche Musik, die gleichen freizeitkneipen egal wo auf der Welt. Ödnis in alles möglichen Varianten)

    Der gelungene Sex ist einer der wenigen Momente die das Leben noch lebenswert machen. Und mir ist es auch egal ob dieser Sex in einer Liebesbeziehung stattfindet, im one night stand oder halt gekauft wird.
    Meine Kritik folgte ledigllich als Hinweis auf die, meiner meinung nach, Schwachstelle in ihrer Argumentation.In dem sie in der öffentlichen Debatte lediglich die quantitative seite ihrer Dienstleistung hervorheben, (also Zeit und Arbeitskraft gegen Geld) und dabei das wundervolle der Sexualität auslassen. In einer öffentlichen Debatte geht es ja um öffentliches Bewusstsein. Sie setzen sich somit dafür ein, dass im bewusstsein der menschen unserer kapitalistischen gesellschaft im Sex wirklich nur noch ein art Tauschgeschäft erblickt wird. Sie Objektivieren damit auch sich als Lohnarbeiterin, obwohl sie vorgeben gegen die OIbjektivierung als passives opfer auf zu begehren, dabei machen sie sich zum Opfer der kapitalistischen Verhältnisse, obwohl garede ihre Tätikeit dies noch nicht völlig ist.

    Sex wäre demnach auch nix anderes als zeitvertreib und käme vllt noch kurz vor der tv sendung “schlag den Raab” auf dem (jahr)markt der entertainment und vergnügungsangebote. Das wollen sie doch nicht wirklich.

    Ich hoffe es ist jetzt deutlicher geworden was ich meinte.

    eine 2 Kritik:
    hmm nun ja es gibt vergewaltätigungen unabhängig von ihrem beruf auch in anderen lebensbereichen (zb zu hause vom eigenem Ehemann) Richtig. Trotzdem gibt es menschen auch in deutschland die zur Prostitution gezwungen werden. wie wollen sie diese menschen bezeichnen? “menschen die dauerhaft vergewaltigt werden und die den anschein erwecken sollen als wäre es einvernehmich und die dafür geld bekommen” Etwas umständlich, oder? dann doch lieber Zwangsprostituion. Nur weil ein politischer Gegner ein soziales Phänomen ihrer Ansicht nach überbewertet, oder es anführt um ganze andere zwecke zu erreichen ist das phänomen ja noch nicht nicht vorhanden. (ich werde schon wieder müde, man merkt es an meine art mich auszudrücken).
    Es gibt Zwangsprosituion. Und die menschen die darunter leiden braucchen Hilfe von Polizei, Justiz und der Öffentlichkeit. Indem sie diesen Menschen auch noch die passendne Bezeichnung aberkennen wollen, entziehen sie diesen Menschen die notwednige Hilfe auf die das kommende Gesetz abzielt. Es ist eine Entsolidarisierung. Darauf wollte ich hinweisen.
    Und gerade auch auf ihre Hilfe die sie ja die gleiche Tätigkeit freiwillig ausüben sind diese menschen angewiesen. Ach wenn es unmodern geworden ist darauf hinzuweisen. es fehlt das Mitgefühl auf ihrem blog. Sie setzen sich für vieles ein, aber eine Kritik an der Zuhälterpraxis und mafiöse Strukturen finde ich bei ihnen nicht. Gerade auch diese Mafia und Zuhälter sind es ja die der Anerkennung der sexarbeit/Prostituion als anerkannten beruf im wege stehen. vielleicht sogar mehr als das falsche Bewusstsein der Öffentlichkeit.

    zuletzt: Mich würde schon interessieren wie sie daruf kommen, dass ich religiöse motive habe? Ich habe solche keinen Augenblick lang erwähnt. Und ich kann ihnen vergewissern dass ich Atheist bin.

    Beste Grüße von der ostsee

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