{"id":883,"date":"2014-04-25T21:24:36","date_gmt":"2014-04-25T19:24:36","guid":{"rendered":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=883"},"modified":"2014-04-25T21:24:36","modified_gmt":"2014-04-25T19:24:36","slug":"tausche-prostitution-gegen-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=883","title":{"rendered":"Tausche Prostitution gegen Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt zwei interessante Paragrafen im deutschen Strafrecht, die die Zuh\u00e4lterei und die Ausbeutung Prostituierter verbieten. Gemeint sind die Paragraphen \u00a7 180a StGB (Ausbeutung von Prostituierten) und \u00a7 181a StGB (Zuh\u00e4lterei). Zu Recht, wird der brave B\u00fcrger sagen, ist es verboten, Menschen auszubeuten oder zuzuhalten. Aber da steht nichts von Menschen, sondern etwas von Prostituierten.<!--more--><\/p>\n<p>Die Arbeit Prostituierter wird in unserer Gesellschaft nicht als Arbeit anerkannt. W\u00e4hrend es in allen anderen Branchen (bspw. der Agrarwirtschaft, der Gastwirschaft oder der Telekommunikation) absolut \u00fcblich und legal ist, dass Arbeiter &#8222;ausgebeutet&#8220; und &#8222;zugehalten&#8220; werden, sind dieselben Handlungen gegen\u00fcber Prostituierten verboten. Ich verdeutliche das durch ein Gedankenexperiment, bei dem ich die beiden Paragrafen \u00a7 180a StGB und \u00a7 181a StGB zitiere und dabei nur vier W\u00f6rter ersetze: Ich ersetze den Begriff &#8222;Prostitution&#8220; durch &#8222;Arbeit&#8220;, den Begriff &#8222;Prostituierte&#8220; durch &#8222;Menschen&#8220; und die Phrase &#8222;sexuellen Verkehrs&#8220; durch &#8222;von Arbeitsauftr\u00e4gen&#8220;. Lest selbst und la\u00dft es auf euch wirken!<\/p>\n<blockquote><p><b>\u00a7 180a Ausbeutung von <u>Menschen<\/u><\/b><\/a><\/p>\n<p>(1) Wer gewerbsm\u00e4\u00dfig einen Betrieb unterh\u00e4lt oder leitet, in dem Personen der <u>Arbeit<\/u> nachgehen und in dem diese in pers\u00f6nlicher oder wirtschaftlicher Abh\u00e4ngigkeit gehalten werden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.<\/p>\n<p>(2) Ebenso wird bestraft, wer<br \/>\n1. einer Person unter achtzehn Jahren zur Aus\u00fcbung der <u>Arbeit<\/u> Wohnung, gewerbsm\u00e4\u00dfig Unterkunft oder gewerbsm\u00e4\u00dfig Aufenthalt gew\u00e4hrt oder<br \/>\n2. eine andere Person, der er zur Aus\u00fcbung der <u>Arbeit<\/u> Wohnung gew\u00e4hrt, zur <u>Arbeit<\/u> anh\u00e4lt oder im Hinblick auf sie ausbeutet.<\/p>\n<p><i>[Quelle: <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/180a.html\">http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/180a.html<\/a>]<\/i><\/p>\n<p><b>\u00a7 181a Zuh\u00e4lterei<\/b><\/p>\n<p>(1) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu f\u00fcnf Jahren wird bestraft, wer<br \/>\n1. eine andere Person, die der <u>Arbeit<\/u> nachgeht, ausbeutet oder<br \/>\n2. seines Verm\u00f6gensvorteils wegen eine andere Person bei der Aus\u00fcbung der <u>Arbeit<\/u> \u00fcberwacht, Ort, Zeit, Ausma\u00df oder andere Umst\u00e4nde der <u>Arbeit<\/u>saus\u00fcbung bestimmt oder Ma\u00dfnahmen trifft, die sie davon abhalten sollen, die <u>Arbeit<\/u> aufzugeben,<br \/>\nund im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterh\u00e4lt, die \u00fcber den Einzelfall hinausgehen.<\/p>\n<p>(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer die pers\u00f6nliche oder wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit einer anderen Person dadurch beeintr\u00e4chtigt, dass er gewerbsm\u00e4\u00dfig die <u>Arbeit<\/u>saus\u00fcbung der anderen Person durch Vermittlung <u>von Arbeitsauftr\u00e4gen<\/u> f\u00f6rdert und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterh\u00e4lt, die \u00fcber den Einzelfall hinausgehen.<\/p>\n<p>(3) Nach den Abs\u00e4tzen 1 und 2 wird auch bestraft, wer die in Absatz 1 Nr. 1 und 2 genannten Handlungen oder die in Absatz 2 bezeichnete F\u00f6rderung gegen\u00fcber seinem Ehegatten vornimmt.<\/p>\n<p><i>[Quelle: <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/181a.html\">http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/181a.html<\/a>]<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>In seinem <a href=\"http:\/\/www.bundesrat.de\/SharedDocs\/drucksachen\/2014\/0001-0100\/71-14%28B%29.pdf?__blob=publicationFile&#038;v=1\">Beschlu\u00df vom 11.04.2014<\/a> hat der Deutsche Bundesrat betont, dass die Aus\u00fcbung der Prostitution unter dem Schutz des Grundgesetzes steht, da sie unter das Grundrecht auf freie Berufswahl (\u00a7 12 GG) f\u00e4llt. Im deutschen Strafrecht ist davon, dass unsere Arbeit als Beruf anerkannt w\u00e4re, genau nichts zu sp\u00fcren. F\u00e4lle von Menschenhandel in der Prostitution fallen nicht unter den Paragrafen \u00a7 233 StGB &#8222;<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/233.html\">Menschenhandel zum Zwecke der Arbeitsausbeutung<\/a>&#8222;, sondern unter den Sonderparagrafen f\u00fcr Prostituierte \u00a7 232 StGB &#8222;<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/232.html\">Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>In Anbetracht des Strafgesetzbuches k\u00f6nnte sich der brave B\u00fcrger zu Recht fragen, warum Ausbeutung, Zuh\u00e4lterei und Menschenhandel, wie sie hier beschrieben werden, nicht gegen\u00fcber allen Menschen gleicherma\u00dfen verboten sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt zwei interessante Paragrafen im deutschen Strafrecht, die die Zuh\u00e4lterei und die Ausbeutung Prostituierter verbieten. Gemeint sind die Paragraphen \u00a7 180a StGB (Ausbeutung von Prostituierten) und \u00a7 181a StGB (Zuh\u00e4lterei). Zu Recht, wird der brave B\u00fcrger sagen, ist es verboten, Menschen auszubeuten oder zuzuhalten. 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