{"id":866,"date":"2014-04-17T20:18:06","date_gmt":"2014-04-17T18:18:06","guid":{"rendered":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=866"},"modified":"2014-04-23T12:38:15","modified_gmt":"2014-04-23T10:38:15","slug":"ich-bin-keine-ware","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=866","title":{"rendered":"Ich bin keine Ware!"},"content":{"rendered":"<p>Die Wiesbadener Stadtverordnete, Manuela Schon (LINKE), ist eine gl\u00fchende Prostitutionsgegnerin. Auf Twitter geraten wir des \u00d6fteren aneinander. Einer sachlichen Diskussion verweigert sie sich bist heute &#8211; entweder mit der Begr\u00fcndung, ich sei respektlos oder mit der Empfehlung, lieber ihre Artikel zu lesen, in der sie ja alles schon ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt h\u00e4tte. Das habe ich getan. Und das ist es, was ich ihr dazu zu sagen habe:<!--more--><\/p>\n<h2>Liebe Manuela Schon!<\/h2>\n<p>Ich bin keine Ware! Wie du Sexarbeiter in deinem Artikel <a href=\"http:\/\/frauensindkeineware.blogspot.de\/2013\/11\/die-frau-verkauft-nicht-sich-selbst.html\">Die Frau verkauft nicht sich selbst<\/a> entmenschlichst, verdinglichst und pathologisierst, ist respektlos und entw\u00fcrdigend, weder links, noch feministisch.<\/p>\n<blockquote><p>Sex wird durch diese Definition vom Selbst getrennt und zum Produkt, einer Ware, einem Ding gemacht. Aber das funktioniert nicht, nicht mal bei Gegenst\u00e4nden. So bleibt Holz, welches zu einem Tisch verarbeitet wird immer noch Holz, obwohl die Form ver\u00e4ndert wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Falle der Prostitution ist Sex keine Ware im materiellen Sinne, sondern eine nicht-gegenst\u00e4ndliche Dienstleistung und somit weder mit Holz, noch mit einem Tisch zu vergleichen. Die Wikipedia definiert eine Dienstleistung als eine &#8222;von einer nat\u00fcrlichen oder juristischen Person zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitrahmen erbrachte Leistung zur Deckung eines Bedarfs&#8220;, in deren Mittelpunkt nicht die materielle Produktion steht. Wir Sexarbeiter verstehen uns deshalb als Dienstleister. Die Verdinglichung von Sex, die du dem Kapitalismus vorwirfst, m\u00fc\u00dftest du dir selbst zu Lasten legen. DU behauptest, Sex sei ein Ding und seine Anbieterin eine Ware.<\/p>\n<blockquote><p>Man will uns weismachen Sex sei ein Produkt welches man auf dem Marktplatz verkaufen kann, irgendwie freischwebend, losgel\u00f6st vom K\u00f6rper. Aber das ist de facto nicht m\u00f6glich: Sex funktioniert nur mit einem K\u00f6rper aus Fleisch und Blut. Die &#8222;Sexarbeiterin&#8220; muss also pr\u00e4sent sein, aber so tun als sei sie es nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Sexarbeiterin mu\u00df zur Erbringung ihrer Dienstleistung ebenso pr\u00e4sent sein, wie ein Arzt, ein Friseur, ein  Masseur, ein Anwalt, etc. zur Erbringung seiner Dienstleistung pr\u00e4sent sein mu\u00df. In unserem Falle ist die K\u00f6rperlichkeit der Pr\u00e4senz sogar ein zentrales Element. Mit einen Apfelkuchen zu kopulieren, w\u00e4re preiswerter, aber das wollen meine Kunden nicht. Sie bezahlen daf\u00fcr, dass ich es bin, eine Frau aus Fleisch und Blut, die mit ihnen interagiert. Die  Behauptung, ich m\u00fcsse so tun, als sei ich w\u00e4hrend des Aktes nicht anwesend, ist ein Vorurteil, das von Leuten propagiert wird, die selbst keine Erfahrungen in der Branche haben. Ich habe nie so getan, noch wurde das jemals von mir verlangt.<\/p>\n<blockquote><p>Zahlreiche Prostituierte berichten davon wie sie w\u00e4hrend der Prostitution in Gedanken in eine andere Realit\u00e4t fl\u00fcchten, dass sie es ohne diese Strategie nicht aushalten w\u00fcrden, sich schmutzig f\u00fchlen oder zugrunde gehen w\u00fcrden.<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend des Sexualaktes &#8222;in eine andere Realit\u00e4t&#8220; zu fl\u00fcchen, ist unter vielen Menschen verbreitet, egal in welchen Berufen sie arbeiten. Ich denke z.B. oft an Tentakel und Sperma w\u00e4hrend ich masturbiere. Es soll sogar Ehefrauen geben, die ihren Ehem\u00e4nnern Orgasmen vort\u00e4uschen, damit sie schnell wieder die Dinge tun k\u00f6nnen, die sie eigentlich gerade tun wollten. Dass Menschen sich in sexuellen Kontexten &#8222;schmutzig&#8220; f\u00fchlen, hat etwas mit der gesellschaftlichen Tabuisierung von Sex zu tun. In den 50er Jahren, haben sich M\u00e4nner bspw. mit Elektroschocks therapieren lassen, weil sie sich aufgrund ihrer Homosexualit\u00e4t schmutzig f\u00fchlten. Sich schmutzig zu f\u00fchlen, macht einen Menschen dennoch nicht zu einem Ding.<\/p>\n<blockquote><p>Die meisten Frauen, die eine K\u00f6rperzone f\u00fcr Tabu erkl\u00e4ren, tun dies um einen Teil von sich selbst f\u00fcr sich zu behalten und einen kleinen Rest von Intimit\u00e4t, die jeder Mensch braucht, zu bewahren. Prostituierte entwickeln mit der Zeit zwei Identit\u00e4ten: Das Selbst und das prostituierte Selbst. Auch andere Personen, die mit Prostitution in Ber\u00fchrung kommen erleben \u00e4hnliches&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich empfinde es als intimer, einem Fremden Menschen meine Schw\u00e4chen oder Defizite zeigen zu m\u00fcssen, als mit ihm Sex zu haben. Dass jeder Mensch Sex als gleichsam intim empfindet, ist ein Mythos, der individuelle Intimit\u00e4tskonzepte v\u00f6llig ausblendet. F\u00fcr Kajsa Ekis Ekman sind Huren und Menschen, die mit Huren zu tun haben, offenbar defizit\u00e4r, gespaltene Pers\u00f6nlichkeiten, Kranke, die sie pathologisieren mu\u00df. Sie negiert dadurch ihre individuellen, subjektiven, menschlichen Erfahrungen, Entscheidungen, Gef\u00fchle und Verhaltensweisen. Sie verdinglicht und objektifiziert Menschen, ohne zu hinterfragen, wieviel Leid sie selbst dadurch verursacht.<\/p>\n<blockquote><p>Kajsa Ekis Ekman vermutet, dass auch das Narrativ der Sexworker_innen ein Weg ist um Prostitution von sich fern zu halten. [&#8230;] Wir sprechen dar\u00fcber, interpretieren sie, deuten sie um, idealisieren sie, spekulieren \u00fcber sie &#8211; aber wir lassen sie nicht an uns ran.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Euphemismus: Prostituierte &#8222;debattieren&#8220; nicht \u00fcber Prostitution, sondern sie k\u00e4mpfen f\u00fcr ihre Menschen-, B\u00fcrger- und Berufsrechte &#8211; und zwar weil ihr nacktes \u00dcberleben davon abh\u00e4ngt. In einer Gesellschaft, in der Frauen (Alte, Kranke, Arme, Fremde, Homosexuelle, &#8230;) systematisch unterdr\u00fcckt werden, k\u00e4mpfen sie dagegen, dass sie auch noch ihrer letzten Option, eigenes Geld zu verdienen, beraubt werden. Sie k\u00e4mpfen gegen ihre Illegalisierung und Kriminalisierung &#8211; f\u00fcr die Anerkennung ihrer Menschenw\u00fcrde. Wei\u00dfe, privilegierte Pseudo-Feministinnen verstehen das deshalb nicht, weil es nicht ihre Existenz ist, die auf dem Spiel steht. Sie k\u00f6nnen es sich leisten, \u00fcber Verbote zu philosophieren, weil sie nicht davon betroffen sind.<\/p>\n<blockquote><p>Prostituierte Personen die &#8222;Sexarbeit&#8220; im Fernsehen, im Radio, in der Zeitung verteidigen ziehen eine klare Trennlinie zwischen diesen Auftritten und ihrer Arbeit: Auf deren Webseiten [&#8230;] kann man nichts \u00fcber ihre Angebote erfahren, man kann sie nach Fernsehauftritten nicht auf ihre Preise ansprechen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das liegt einerseits daran, dass es uns nach \u00a7\u00a7 119 &#8211; 120 OwiG verboten ist, unsere Dienstleistungen zu bewerben und sich viele Anbieter_innen aufgrund von Rechtsunsicherheit davor f\u00fcrchten. Andererseits warnen nat\u00fcrlich auch Fernsehanstalten sehr explizit davor, ihre Sendung f\u00fcr Werbezwecke zu mi\u00dfbrauchen. Obwohl ich in der \u00f6ffentlichkeit als Sexarbeiterin auftrete, finden sich auf meiner Website bspw. sowohl Preise als auch Beschreibungen meines Angebots. Das liegt daran, dass ich es mir als privilegierte, wei\u00dfe Prostituierte mit deutscher Staatsb\u00fcrgerschaft und akademischer Bildung im Gegensatz zu vielen meiner Kolleg_innen leisten kann, im Zweifelsfall vor Gericht zu ziehen und f\u00fcr meine Rechte als Einzelunternehmerin zu streiten.<\/p>\n<blockquote><p>Auch wenn Sexualit\u00e4t zu einer Ware wird, wird dadurch nicht automatisch Prostitution zur Arbeit. Genauso wenig wie das Geld welches in ihr verdient ist, nicht normales Geld ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Verdammt, h\u00e4tte ich das fr\u00fcher gewu\u00dft. Ich Dummchen zahle die ganze Zeit Steuern f\u00fcr dieses Nicht-Geld (scnr). Prostitution wird deshalb nicht zur Arbeit, weil es eine nicht geringe Zahl an Menschen gibt, die sich weigert, sie als Arbeit anzuerkennen. Wir leben in einer Gesellschaft, die Huren stigmatisiert und an \u00fcberholten Geschlechterrollen festh\u00e4lt: Wenn ich das Arbeitsamt um Vermittlung bitte und die mir tats\u00e4chlich helfen, dann verursache ich einen Medien-Skandal. Konsensueller Sex unter Erwachsenen gegen Geld wird nicht als legitime Option akzeptiert. Es f\u00e4llt uns aufgrund unserer sozialisierten Sexualmoral schwer, Sex als etwas von Liebe und Zuneigung Unabh\u00e4ngiges zu betrachten, das auch f\u00fcr sich genommen Wert hat. Prostitution ist deshalb keine Arbeit, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.<\/p>\n<blockquote><p>Man bezeichnet es oft als &#8222;Monopoly-Geld&#8220; oder auch &#8222;schmutziges Geld&#8220;. Es wird genauso schnell ausgegeben wie es eingenommen wird, weshalb viele prostituierte Frauen nicht reich aus der Prostitution heraus kommen, obwohl sie selbstbestimmt und ohne Zuh\u00e4lter arbeiten (ein gutes Beispiel w\u00e4re Domenica, die &#8222;K\u00f6nigin der Reeperbahn&#8220;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Nein, nicht &#8222;man&#8220; bezeichnet es so, sondern du tust es. Aber mal ehrlich, die Verdienstm\u00f6glichkeiten in der Prostitution sind \u00fcbersch\u00e4tzt. Es funktioniert hier \u00e4hnlich wie in der Kunst- oder Musikbranche: Es gibt einige, wenige Stars, die sich eine goldene Nase verdienen. Die meisten haben hingegen geringe Eink\u00fcnfte und m\u00fcssen mit Hartz IV aufstocken. Insbesondere migrantische Sexarbeiter_innen geben von dem hart verdienten Geld hohe Summen an Mittelsm\u00e4nner ab, weil sie aufgrund der rechtlichen Komplexit\u00e4t von Einreise und Prostitutionsregulierung darauf angewiesen sind, wenn sie legal arbeiten wollen. Davon, so reich zu sein, dass wir mal eben 3 Mios auf unserem Schweizer Bankkonto vergessen, tr\u00e4umen wir.<\/p>\n<blockquote><p>Das Abspalten der Pers\u00f6nlichkeit ist nicht nur ein Abwehrmechanismus, es ist gef\u00e4hrlich. Medizinisch spricht man von einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung, unter der prostituierte Personen in gleichem Ma\u00dfe leiden wie Kriegsveteranen oder Folteropfer (siehe Farley-Studie).<\/p><\/blockquote>\n<p>Es wird flei\u00dfig weiterpathologisiert: Obwohl Prostituierte angeblich gleicherma\u00dfen unter PTBS leiden wie Soldaten, wird das Verbot, sich als Soldat zu verdingen, nicht mit derselben Vehemenz gefordert wie das Prostitutionsverbot. Warum sind es immer wieder Frauen und die von Frauen ausge\u00fcbten Berufe, die infrage gestellt werden? Warum sind es immer wieder sexuelle Kontexte, die reguliert und beschr\u00e4nkt werden sollen? Weil wir in einer Gesellschaft leben, die Frauen und Sex systematisch unterdr\u00fcckt. Prostitutionsverbote sind kein Mittel dagegen, sondern ein Ausdruck davon. Warum uns Sexarbeiter das zu einer Ware machen sollte, erschlie\u00dft sich mir nicht.<\/p>\n<blockquote><p>Deshalb ist Prostitution keine Arbeit wie jede andere.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nein, Prostitution ist deshalb keine Arbeit wie jede andere, weil sie mit Sex zu tun hat, was tabuisiert wird und weil sie \u00fcberwiegend von Frauen ausge\u00fcbt wird, die unterdr\u00fcckt sind. Deshalb genie\u00dfen Sexarbeiter_innen auch nicht dieselben Rechte wie alle anderen Arbeiter_innen, weil man sie ihnen nicht zugesteht. W\u00e4hrend f\u00fcr alle Erwerbst\u00e4tigen die Abgabenordnung gilt, gilt f\u00fcr uns das D\u00fcsseldorfer Verfahren. W\u00e4hrend f\u00fcr alle Gewerbe die Baunutzungsverordnung gilt, gilt f\u00fcr uns die Sperrgebietsverordnung. W\u00e4hrend f\u00fcr alle Arbeitnehmer das Arbeitsschutzgesetz gilt, gilt f\u00fcr uns der Kondomzwang nach Hygieneverordnung. W\u00e4hrend f\u00fcr alle B\u00fcrger das Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung gilt, gilt f\u00fcr uns \u00a7 104 StPO. Eine T\u00e4tigkeit, die rechtlich und gesellschaftlich nicht gleich behandelt wird, wird von dieser Gesellschaft logischerweise nicht als &#8222;normal&#8220; betrachtet und wird ergo auch nie diesen Status erreichen. Wiederum: Sexarbeit ist deshalb keine Arbeit wie jede andere, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.<\/p>\n<blockquote><p>Was den Freier angeht w\u00fcnscht dieser sich, dass die Prostituierte ganz da ist, eine Frau die nicht so tut als w\u00e4re es Arbeit f\u00fcr sie.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der gemeine Freier existiert nicht. Auch Freier sind Menschen mit individuellen Bed\u00fcrfnissen und Erfahrungen. Im Begriff &#8222;Freier&#8220; findet wiederum eine unzul\u00e4ssige Verdinglichung und Entmenschlichung statt. Es handelt sich um Kunden sexueller Dienstleistungen. Auch sie werden diskriminiert und entwertet. Auch ihre Bed\u00fcrfnisse werden auf den Aspekt der Not reduziert, genauso wie es bei den Anbieter_innen geschieht. Wenn es hei\u00dft, Freier h\u00e4tten es n\u00f6tig f\u00fcr Sex zu bezahlen, dann spricht daraus eine tiefe sexistische Sozialisierung: Wenn er in dieser Gesellschaft etwas wert sein will, hat der Mann die Frau kostenlos rumzukriegen, durch Eroberung und Heldentat ihr Herz zu gewinnen. Der Mann, der das nicht schafft oder sich weigert, das Spiel mitzuspielen, mu\u00df demzufolge ein Versager, ein Ekel, ein Perverser sein.<\/p>\n<blockquote><p>Wie kann das alles noch gesteigert werden?<\/p><\/blockquote>\n<p>Durch ein Prostitutionsverbot, denn die Kriminalisierung w\u00fcrde widerspenstige Huren, die es wagen, sich als Dienstleister zu emanzipieren und gegen ihre Unterdr\u00fcckung aufzubegehren, effektiv mundtot machen. Es w\u00fcrde den unterschwelligen Hurenhass, der aus Texten wie diesem spricht, wieder salonf\u00e4hig machen. Niemand m\u00fc\u00dfte dann mehr so tun, als w\u00e4ren Huren Menschen, als h\u00e4tten sie, egal welche Not sie trieb, ein Recht auf Rechte. Man k\u00f6nnte sie ohne Skrupel nicht nur als Ware, als Ding bezeichnen, sondern sie auch so behandeln.<\/p>\n<p>Leider beweist mir dein Text nicht, dass ich Ware bin, sondern dass du mich als Ware betrachtest und Sexarbeiter gerne so sehen willst. Wenn deinesgleichen dann mit Fakeln und Transparenten aufzieht, auf denen &#8222;Die Frau ist keine Ware&#8220; geschrieben steht, erscheint es uns Sexarbeitern wie purer Hohn. Es ist eine unversch\u00e4mte Respektlosigkeit. Denn nicht der Kapitalismus, nicht die Freier, nicht unser Job entmenschlichen und verdinglichen uns. Leute wie ihr tun es!<\/p>\n<h2>Follow Up<\/h2>\n<p>Da Manuela sich mit der Begr\u00fcndung, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/manuelaschon\/status\/456709613451091969\">ich solle meinen Lobbyismus doch nicht in ihrem Blog verbreiten<\/a>, weigert, meinen Follow-Up Kommentar zu ver\u00f6ffentlichen, tue ich es nun doch auch hier. Ich denke, ein solches Verhalten zeigt, wie sich Prostitutionsgegner beharrlich dagegen wehren, sachliche, begr\u00fcndete Diskussionen zu f\u00fchren. Ihr Standpunkt ist ein fundamentalistischer, ein Glaubensinhalt, weil es ihnen an Argumenten mangelt. Offenbar traut Manuela ihren Lesern nicht zu, sich selbst eine Meinung zu bilden, weshalb sie in ihrem Blog nur eine einzige Meinung, n\u00e4mlich ihre, zulassen kann.<\/p>\n<p>Sie antwortet:<\/p>\n<blockquote><p>Sch\u00f6ner langer Text, aber leider nicht \u00fcberzeugend. Nicht &#8222;wir&#8220; stigmatisieren &#8211; sonderen die Sexk\u00e4ufer tun das. Eindrucksvoll nachzulesen in allen Freierstudien, die es gibt, ob Farley, Gerheim oder welche auch immer.<\/p>\n<p>So lange Sexk\u00e4ufer Frauen objektifizieren ist es m\u00fc\u00dfig \u00fcber Stigma zu diskutieren. Hier mal ein paar sch\u00f6ne Aussagen aus der Farley-Studie (exemplarisch)<\/p>\n<p>&#8222;Being with a prostitute is like having a cup of coffee, when you\u2018re done, you throw it out.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;The relationship has to stay superficial because they are a person and you&#8217;re capable of getting to know them. But once you know them, it&#8217;s a problem, because you can&#8217;t objectify them anymore&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;She is just a biological object that charges for services.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;If someone is addicted to going to prostitutes, he might lose sense that a woman has feelings&#8220;<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie in der Sexk\u00e4ufer mit Nichtsexk\u00e4ufern verglichen werden sind leider bitter, eine Zusammenfassung findet sich hier: http:\/\/abolition2014.blogspot.de\/2014\/04\/sexkaufer-und-nichtkaufer-sind.html<\/p>\n<p>Da helfen auch Romane nicht weiter: Das Gros der Sexk\u00e4ufer sieht Prostituierte nicht als Menschen, sondern als Objekte an, mit denen sie machen k\u00f6nnen was sie wollen.<\/p>\n<p>Bitte habe Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass Feminist_innen gegen diese Misogynie eintreten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich antworte:<\/p>\n<p>Du schreibst einen 7000 Worte umfassenden Artikel, der &#8222;beweisen&#8220; soll, dass Sexarbeiter Objekte sind. Obwohl der Blog &#8222;Frauen sind keine Ware&#8220; hei\u00dft, behauptest du, Sexarbeiterinnen seien Ware. Du vergleichst uns mit Holz oder Tischen, mit Dingen. In welcher Weise objektifizierst du uns nicht? Wo bist du besser als die oben Zitierten? Du bist ihnen moralisch nicht \u00fcberlegen, im Gegenteil, du versuchst deiner Menschenverachtung noch einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Auf dieselbe Weise gehen Sympathisanten der sogenannten &#8222;Reparativtherapie&#8220; vor.<\/p>\n<p>Was Melissa Farley betrifft, so sind ihre Arbeit und ihre Methoden unter Wissenschaftlern stark umstritten. Eine gut argumentierte Kritik kann man z.B. bei Ronald Weitzner &#8222;Flawed Theory&#8220; nachlesen: <a href=\"http:\/\/www.gwu.edu\/~soc\/docs\/Weitzer\/Flawed_Theory.pdf\">http:\/\/www.gwu.edu\/~soc\/docs\/Weitzer\/Flawed_Theory.pdf<\/a> Inzwischen werden sogar Stimmen laut, Farley die APA-Mitgliedschaft zu entziehen: <a href=\"http:\/\/maggiemcneill.files.wordpress.com\/2011\/07\/complaint-to-apa-re-melissa-farley.pdf\">http:\/\/maggiemcneill.files.wordpress.com\/2011\/07\/complaint-to-apa-re-melissa-farley.pdf<\/a><\/p>\n<p>\u00c4hnliches k\u00f6nnte man im Falle Kajsa Ekis Ekman anf\u00fchren. Die Frau ist nicht einmal Psychologin, sondern Literaturwissenschaftlerin. Ich wei\u00df \u00fcberhaupt nicht, wie sie dazu kommt, ein Buch \u00fcber Sexarbeit zu schreiben oder uns Sexarbeiter zu pathologisieren. Ich selbst habe u.a. einen akademischen Abschlu\u00df im Fach Literaturwissenschaft. Ich bin dar\u00fcber hinaus selbst Sexarbeiterin. Ich habe \u00fcberhaupt keine Skrupel, Frau Ekmans Thesen infrage zu stellen.<\/p>\n<p>Und was die Tasse Kaffee im ersten Zitat deines obigen Kommentars betrifft: Ich nehme auch deshalb Geld f\u00fcr Sex, weil mich die Kunden danach wieder &#8222;rauswerfen&#8220;. Das bedeutet n\u00e4mlich, dass auch sie in ihr eigenes Leben zur\u00fcckkehren und trotz des Sex keine weiteren Anspr\u00fcche auf mich erheben. In einer Gesellschaft, die Sex und Liebe habituell nicht trennt, wird von Sexualpartnern erwartet, dass sie sp\u00e4testens nach dem Akt (insbesondere, wenn es sich dabei nicht um einen After-Party-ONS in besoffenem Zustand handelt, worauf ich selbst nicht stehe) irgendeine Form emotionaler Bindung eingehen. Verweigert man sich einer solchen Bindung, f\u00fchrt das zu Konflikten. Die Reaktionen reichen von &#8222;Magst du mich etwa nicht?&#8220; bis zu &#8222;Du Schlampe fickst doch sowieso jedem!&#8220; In derartige Probleme bin ich nach bezahlten Dates nie gelaufen. Sexualkontakte werden durch den Austausch von Geld unverbindlicher &#8211; das kann man durchaus als Vorteil und Mehrwert betrachten.<\/p>\n<p>Ach ja, eins habe ich noch vergessen: Anhand von Aussagen in &#8222;Freierforen&#8220; zu &#8222;beweisen&#8220;, wie Kunden sexueller Dienstleistungen im Allgemeinen &#8222;ticken&#8220;, ist ungef\u00e4hr so, wie anhand von Aussagen auf 4chan zu beweisen, wie Menschen im Allgemeinen ticken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wiesbadener Stadtverordnete, Manuela Schon (LINKE), ist eine gl\u00fchende Prostitutionsgegnerin. Auf Twitter geraten wir des \u00d6fteren aneinander. Einer sachlichen Diskussion verweigert sie sich bist heute &#8211; entweder mit der Begr\u00fcndung, ich sei respektlos oder mit der Empfehlung, lieber ihre Artikel zu lesen, in der sie ja alles schon ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt h\u00e4tte. Das habe ich getan. 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