{"id":751,"date":"2013-06-29T17:48:54","date_gmt":"2013-06-29T15:48:54","guid":{"rendered":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=751"},"modified":"2013-06-29T17:48:54","modified_gmt":"2013-06-29T15:48:54","slug":"ein-interview-das-missy-nicht-wollte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=751","title":{"rendered":"Ein Interview, das Missy nicht wollte"},"content":{"rendered":"<p>Letztes Jahr im Herbst f\u00fchrte eine junge Dame<a href=\"#urheber\">*<\/a>, die gerade ein Praktikum beim Missy Magazin machte, ein Interview mit mir durch. Eigentlich sollte es, so erz\u00e4hlte sie mir, im Druck erscheinen. Aber dann war sie krank und dann war die Deadline vorbei und dann war das Praktikum vorbei und irgendwie verlief sich alles im Sande. Auf mehrmaliges Nachfragen beim Missy Magazin, ob sie das denn jetzt noch irgendwie verwenden wollten, erhielt ich keine Antwort. Daher, weil ich es zu schade f\u00fcr die Schublade finde und auch in Vorbereitung auf meinen Vortrag &#8222;Prostitution als Weg der sexuellen Emanzipation&#8220;, ver\u00f6ffentliche ich es jetzt in meinem Blog. Es geht um Emanzipation und Feminismus und wie das alles mit Prostitution vereinbar w\u00e4re.<!--more--><\/p>\n<h2>Das Interview<\/h2>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Auf deiner Seite steht, du bietest einen Escort Service an. Trotzdem sprichst du auch immer wieder von dir als Prostituierten und Sex als deiner Dienstleistung. Warum legst du auf die Unterscheidung von Escort und Prostitution, die ja durchaus per definitionem vorhanden ist, gerade nicht so gro\u00dfen Wert, wie das andere Frauen in der Escort Branche tun? \u00ab<\/p>\n<p>Ich sehe keinen definitorischen Unterschied zwischen Prostitution und Escort, sondern betrachte Escort als eine von vielen verschiedenen Auspr\u00e4gungen der Prostitution. Ich biete Sex gegen Geld an, das tut die Hure im Bordell auch. Dass mein Angebot weiter gefa\u00dft ist, als ihres, hei\u00dft f\u00fcr mich nicht, dass wir nicht beide Sexarbeiter w\u00e4ren. Viele KollegInnen distanzieren sich von dem Begriff, weil sie sich mit dessen negativen Konnotationen nicht identifizieren wollen. Ich verstehe und respektiere das, bin aber im Gegensatz zu ihnen nicht bereit, die negativen Konnotationen zu akzeptieren. Daher m\u00f6chte ich den Begriff positiv umbesetzen; ich verwende ihn mit Stolz, auch um anderen Mut zu machen und mich zu solidarisieren. Prostitution ist nichts, wof\u00fcr man sich sch\u00e4men m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Du sprichst dich f\u00fcr einen lustvollen Feminismus aus, in dem du argumentierst, Prostitution, also Sex gegen finanzielle Gegenleistung sei eine Geste der Selbsterm\u00e4chtigung und Emanzipation f\u00fcr Frauen. Erkl\u00e4re mir bitte etwas genauer, worin du das emanzipatorische Potential in der Sexarbeit siehst. \u00ab<\/p>\n<p>Frauen haben nicht nur das Recht, sondern auch die F\u00e4higkeit, \u00fcber sich und ihren K\u00f6rper selbst zu entscheiden; das gilt auch f\u00fcr ihre sexuelle Selbstbestimmung. Meine eigene Sexualit\u00e4t entspricht nicht dem weiblichen Rollenbild einer passiven, duldenden und trieblosen Sexualit\u00e4t. Ich bestimme, mit welchen und wievielen Partnern ich in welcher Form sexuell aktiv werde. Ich warte nicht darauf, wie es von Frauen noch immer vielfach erwartet und gelebt wird, dass mir Sex passiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen ist f\u00fcr mich der Wunsch nach sexueller Bet\u00e4tigung aber nicht unweigerlich auch an den Wunsch nach emotionaler Bindung und sozialer Verpflichtung gekoppelt. Auch das entspricht nicht dem Normativ &#8211; dadurch kann es in privaten Beziehungen leicht zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen kommen. In gewerblichen Beziehungen sind solche Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse von vorn herein ausgeschlossen; es ist klar, worum es geht und wielange es dauert. Meine Kunden erwarten nicht von mir, dass ich mich verliebe, dass ich am n\u00e4chsten Tag zur\u00fcckrufe oder sie meinen Eltern vorstelle. Und sie erz\u00e4hlen auch nicht in meinem Freundeskreis herum, was f\u00fcr eine Schlampe ich w\u00e4re, dass ich wechselnde Partner h\u00e4tte, ohne mich ihnen gegen\u00fcber zu verpflichten. Die Escortdates erm\u00f6glichen mir und meinen Partnern echte Unverbindlichkeit, die weder niveaulos noch plump daherkommt. Das empfinde ich als sehr befreiend: Die Prostitution bietet mir einen Schutzraum, in dem ich mich jenseits der Norm ungehemmt sexuell ausleben kann.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Wie sehr hat dir der Feminismus oder besser, haben dir die vielf\u00e4ltigen Feminismen dabei geholfen, eine emanzipierte Frau zu werden? Wie sehr hat dein Berufen auf den Feminismus deine Arbeit als Prostituierte\/Escort-Lady beeinflusst? \u00ab<\/p>\n<p>Ich bin nicht \u00fcber den Feminismus zur Emanzipation gekommen, sondern andersherum \u00fcber die Emanzipation zum Feminismus. Ich habe schon als Kind festgestellt, dass ich in vielerlei Hinsicht nicht in die vorgegebenen Rollenbilder passe. Weil ich fantastischen R\u00fcckhalt in meiner Familie hatte, mu\u00dfte ich an meiner Andersartigkeit nicht verzweifeln, sondern konnte die n\u00f6tige Kraft sch\u00f6pfen, mich von den Zw\u00e4ngen des Normativs zu befreien. Das war meine Emanzipation, mein Anderssein und das Anderssein im Allgemeinen sch\u00e4tzen zu lernen. Ich empfinde die Diversit\u00e4t der Menschen und der Welt insgesamt als Bereicherung meines Lebens und nicht als \u00dcberforderung. Geschlecht, Hautfarbe, Abstammung, Alter oder Aussehen sollen keine Rolle spielen. Deswegen bin ich auch Feministin; der Feminismus ist Teil meiner allgemeinen Emanzipation. Diese Einstellung hatte nat\u00fcrlich Einflu\u00df darauf, dass ich mich f\u00fcr die Prostitution und nicht f\u00fcr irgendeinen anderen Job entschieden habe. Ich lebe ja als Prostituierte eine f\u00fcr das weibliche Rollenbild untypische Sexualit\u00e4t aus (s.o.). W\u00e4re ich weniger emanzipiert, w\u00e4re ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen, das auszuprobieren. Au\u00dferdem w\u00e4re ich wohl weniger fit, den psychischen Druck andauernder Diskriminierung auszuhalten, dem man als &#8222;Abweichlerin&#8220; ausgesetzt ist.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Du sagst ja, sexuelle bzw. generelle Emanzipation der Frauen k\u00f6nne sich nur entwickeln, wenn sich Frauen von dem romantisch-b\u00fcrgerlichen Konzept wahrer, einzigartiger Liebe verabschiedeten. Aber ist nicht eine Beziehung, welche auf Liebe, Anerkennung und gegenseitigem Respekt basiert, eine viel bessere Voraussetzung f\u00fcr ein erf\u00fclltes Sexleben, als die immer st\u00e4rkere Trennung von Liebe und Sexualit\u00e4t? \u00ab<\/p>\n<p>Sage ich das? :D Was ich meine ist, dass wir den Wert von Diversit\u00e4t erst erkennen, wenn wir sie zulassen. Wenn wir uns von den Zw\u00e4ngen vorgegebener Rollenbilder befreien, dann bieten sich uns pl\u00f6tzlich mehr Optionen, die Auswahl wird gr\u00f6\u00dfer. Wir haben mehr M\u00f6glichkeiten, uns in der Welt zu entwerfen. So bekommen auch jene Menschen eine Chance, ihr individuelles Lebensgl\u00fcck zu finden, denen die hergebrachten Rollenbilder nicht passen. Denn die Welt ist ja nicht so beschr\u00e4nkt, wie unser Bild von ihr. Das Ideal der &#8222;romantischen Liebe&#8220; ist eines dieser hergebrachten Rollenbilder: Es sagt uns, wen wir lieben, mit wem wir schlafen d\u00fcrfen und wie wir unsere Beziehung zu gestalten haben. F\u00fcr viele Menschen funktioniert es so nicht. Sie sind ungl\u00fccklich in ihren Beziehungen, weil sie es nicht schaffen, die Vorgaben des Rollenbildes zu erf\u00fcllen. Aber sie kommen auch nicht auf die Idee, sich davon zu befreien und andere M\u00f6glichkeiten auszuprobieren, weil sie Angst vor dem Anderssein haben oder Defizite bef\u00fcrchten. Eine Beziehung jenseits der Norm zu f\u00fchren, steht f\u00fcr mich aber nicht im Widerspruch zu einer Beziehung, die von Liebe, Respekt und Anerkennung gepr\u00e4gt ist. Meine Erfahrung zeigt mir, dass man auch jenseits der Norm lieben, respektieren und anerkennen kann.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Die Entscheidung zum Ausleben deiner selbstbestimmten, entfesselten Lust ist ja aber immer an die Bedingung gebunden, dass du entweder keinen festen Partner\/keine feste Partnerin hast oder, dass dein\/e PartnerIn ebenfalls f\u00fcr eine Trennung von Liebe und Sexualit\u00e4t ist. Du sprichst dich also im Grunde daf\u00fcr aus, dass wir immer noch an \u00fcberh\u00f6hte Beziehungsmythen gekettet sind an die wir Dank unserer Sozialisierung glauben und die uns daran hindern, jene emanzipierten Frauen zu werden, die wir eigentlich werden wollen. \u00ab<\/p>\n<p>Nein, die Entscheidung zum Ausleben meiner Lust ist keine Frage von entweder &#8211; oder. Unsere an heteronormativen, monogamen Beziehungsidealen orientierte Solzialisierung macht uns das glauben. Aber es stimmt nicht. Offenheit und Festigkeit sind kein Gegensatzpaar, sondern zwei eigenst\u00e4ndige Parameter im Beziehungskontinuum. Ich bestimme, welchen Wert sie haben. Ich entscheide, ob und wie fest und\/oder offen meine zwischenmenschlichen Beziehungen sein sollen. Wenn ich fair bin, bespreche ich mich dar\u00fcber mit meinen Partnern, um eventuelle Interessenskonflikte zu vermeiden. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Liebe und Sexualit\u00e4t. Wenn ich ihre Getrenntheit postuliere, dann meine ich damit nicht, dass sie einander unbedingt ausschlie\u00dfen sollen. Sondern ich meine, dass sie nicht unbedingt aneinander gekoppelt sein m\u00fcssen, dass sie getrennt voneinander gedacht und ausgelebt werden k\u00f6nnen. Eine zwischenmenschliche Beziehung kann auch dann sch\u00f6n, wertvoll und erf\u00fcllt sein, wenn Liebe und Sexualit\u00e4t nicht im Doppelpack auftreten. Jenseits der Norm ist das m\u00f6glich &#8211; auch weil mich dort niemand zwingt, meine Bed\u00fcrfnisse nach Liebe und Sexualit\u00e4t an ein- und derselben Person zu stillen.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb K\u00f6nnte man also sagen, du hast dich gegen das, was man in unserer Gesellschaft als Liebe summiert und F\u00dcR Sex entschieden? Ist nicht dein Lebenskonzept eines, das gerade daf\u00fcr steht, dass oftmals nicht beides zu haben ist, eine liebevolle Beziehung und ein wildes Sexleben mit wechselnden PartnerInnen? \u00ab<\/p>\n<p>Nein, ich habe mich nicht gegen die Liebe entschieden; das ist Unsinn. Ich habe mich gegen die heterosexuelle, monogame, missionarische Norm entschieden. Ich habe mich dagegen entschieden, mir von anderen Leuten vorschreiben zu lassen, wen ich lieben und mit wem ich ins Bett gehen darf. Ich lebe seit vielen Jahren in einer festen Beziehung mit meinem Partner, den ich liebe und begehre. Wir beide haben weitere Partner au\u00dferhalb unserer Beziehung, auch (aber nicht nur) solche, die wir lieben. In meinem Falle \u00fcbersteigt die Zahl rein sexueller Au\u00dfenkontakte deutlich die Zahl emotional-erotischer. Ich k\u00f6nnte neben meinem Job viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr aufz\u00e4hlen, aber wer will das alles lesen? Es ist okay so, wie es ist. Ich habe ein erf\u00fclltes Beziehungsleben, weil ich f\u00fcr die Befriedigung aller meiner Bed\u00fcrfnisse &#8211; seien sie nun emotionaler, sexueller oder auch intellektueller Natur &#8211; die passenden Partner habe oder finden kann. Ich leide keinen Mangel, und ich f\u00fchle mich nicht einsam oder ungeliebt. Meine Idee ist, dass man vollkommene Erf\u00fcllung finden kann, wenn man sich erst einmal von dem Gedanken verabschiedet, dass ein einzelner Mensch das alles allein leisten m\u00fc\u00dfte. Ich mu\u00df nicht auf Mr. Right warten oder verzweifeln, weil ich Mr. Right nicht finde. Ich kann mir das Beste eines jeden einzelnen Menschen heraussuchen und ihn aufgrund dessen wertsch\u00e4tzen, selbst wenn er in anderen Bereichen Defizite hat.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Du sagst auf deinem Blog, Sex als Dienstleistung sei eine M\u00f6glichkeit, deine Lust nach wechselnden PartnerInnen auszuleben. Au\u00dferdem begr\u00fcndest du das Bezahltwerden f\u00fcr den Sex als Schutzma\u00dfnahme vor weiteren m\u00f6glichen Verpflichtungsgef\u00fchlen f\u00fcr dich und deinen Partner. Erkl\u00e4rst du das bitte etwas genauer? \u00ab<\/p>\n<p>Die meisten Menschen sind so sozialisiert, dass Liebe und Sex f\u00fcr sie zusammengeh\u00f6ren. Sie wollen nur Sex mit Menschen haben, die sie auch lieben. Oder sie erwarten von einem Menschen, mit dem sie schlafen, mehr als nur Sex. Weil das der Norm entspricht, redet fast niemand dar\u00fcber. Die meisten Menschen haben die Erfahrung, entt\u00e4uscht zu sein, weil ihre Hoffnungen nicht erf\u00fcllt wurden, bereits gemacht. Kaum jemand hinterfragt es, weil es selbstverst\u00e4ndlich erscheint: Was halt nicht der\/die Richtige. Mir geht es anders: Ich m\u00f6chte nicht unbedingt eine Liebesbeziehung mit jedem Menschen eingehen, mit dem ich schlafe. Deshalb spreche ich mit meinen Partnern explizit \u00fcber meine und ihre Bed\u00fcrfnisse. Ich habe in privaten Beziehungen immer wieder festgestellt, dass Partner trotzdem nicht verstehen, was es bedeutet, wenn ich sage, dass meine Bed\u00fcrfnisse rein sexueller Natur sind. Am Morgen nach einem ONS fragen sie, wann wir uns denn wieders\u00e4hen. Wenn ich sage, dass wir uns nicht wiedersehen, sind sie traurig und denken, es h\u00e4tte mir nicht gefallen. Das bek\u00fcmmert mich; ich m\u00f6chte niemanden entt\u00e4uschen oder verletzen. Aber ich m\u00f6chte auch nicht gezwungen sein, anderer Leute Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he und Zuneigung zu befriedigen, wenn mein eigenes Bed\u00fcrfnis ein anderes ist. Wenn ich meine Dienste als Escortbegleiterin anbiete, dann kann ich sexuelle Befriedigung bekommen, ohne Interessenkonflikte heraufzubeschw\u00f6ren. Ein Escortdate hat einen definierten Anfang und ein definiertes Ende und dar\u00fcber hinaus gibt es keine Verpflichtungen, keine Erwartungen und keine Schuld.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Es gibt ein in Filmen und Romanen oft zitiertes Szenario, in der eine Frau eine Nacht mit einem Mann verbringt und sie am Morgen danach das Bett neben ihr leer vorfindet und auf dem Nachttisch ein B\u00fcndel Geldscheine liegt. Dieser Moment scheint f\u00fcr die Frau in Film oder Roman dann stets ein Moment der Entw\u00fcrdigung zu sein. Mit dem Geldb\u00fcndel auf dem Nachttisch bekommt die vergangene Nacht eine vollkommen andere Bedeutung, die n\u00e4mlich einer Dienstleistung, statt einer sexuellen Begegnung zwischen zwei erwachsenen Menschen, die Lust aufeinander hatten. Warum glaubst du, dass dieses Moment so h\u00e4ufig zitiert wird und warum es entw\u00fcrdigend f\u00fcr die Frau ist? \u00ab<\/p>\n<p>Ich habe soetwas im realen Leben noch nie erlebt und kenne auch niemanden, der es erlebt h\u00e4tte. Der Grund f\u00fcr die st\u00e4ndige Wiederholung dieses Motivs in Erz\u00e4hlungen, ist der, dass es sich dabei selbst um ein Klischee handelt. Die Figur steht pars-pro-toto f\u00fcr Ignoranz, Egoismus und Respektlosigkeit im zwischenmenschlichen Umgang. Wie gesagt, Menschen haben in einer Beziehung unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse. Meines Erachtens sollte man dar\u00fcber explizit miteinander sprechen, um Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse zu vermeiden. Das gilt nat\u00fcrlich insbesondere, wenn die eigenen Bed\u00fcrfnisse von der Norm abweichen. Wenn ich mit einem Partner schlafe und am n\u00e4chsten Morgen Geld auf dem Kissen finde, ohne dass das so abgesprochen oder wenigsten besprochen worden w\u00e4re, dann w\u00e4re ich auch schwer beleidigt. Denn das ist ein Zeichen von Ignoranz gegen\u00fcber meinen Interessen und Gef\u00fchlen. Sowas tut man nicht. Selbst wenn man mit einem Menschen nur schlafen und ihn nicht auch lieben m\u00f6chte, kann man respekt- und r\u00fccksichtsvoll mit ihm umgehen. Man mu\u00df ihn nicht absichtlich verletzen. Dar\u00fcber hinaus ist es auch fair, solche Aspekte im Vorfeld zu besprechen, n\u00e4mlich um dem Partner die Wahl zu lassen: M\u00f6chte er unter diesen Umst\u00e4nden mit mir schlafen oder m\u00f6chte er es nicht? Es ist seine Entscheidung, nicht meine. Und wenn er sich gegen mich entscheidet, dann habe ich das zu akzeptieren und nicht &#8211; wom\u00f6glich unter Vorspielung falscher Tatsachen &#8211; die Befriedigung meiner Bed\u00fcrfnisse von ihm zu erschleichen.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; padding:1em; margin:1em; border:1px solid #666666\">\u00bb Wie glaubst du, wird sich unser Sexualleben in der Zukunft ver\u00e4ndern? \u00ab<\/p>\n<p>Ich bin nicht gl\u00e4ubig, ich bin idealistisch: Ich hoffe, Menschen werden zunehmend erkennen, wieviele M\u00f6glichkeiten es jenseits der Norm gibt und diese Bereiche ganz selbstbewu\u00dft erobern und ausleben. Die Norm wird aufh\u00f6ren, selbstverst\u00e4ndlich zu sein und Menschen werden anfangen, miteinander \u00fcber ihre Gedanken, Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse zu sprechen. Sexuelle Bed\u00fcrfnisse werden gleichberechtigt neben emotionalen und intellektuellen genannt und nicht mehr versch\u00e4mt hintangestellt werden. Menschen werden aufh\u00f6ren Sexualit\u00e4t zu tabuisieren und lernen, entspannt mit ihrer eigenen und der anderer umzugehen. Sie werden erkennen, dass Liebe und Sex zwei eigenst\u00e4ndige Parameter im Beziehungskontinuum sind und dass Rasse, Hautfarbe, Alter, Geschlecht und Aussehen gar keine so gro\u00dfe Rolle spielen. Beziehungspartner werden gew\u00e4hlt und ausgesucht werden &#8211; und zwar aus Gr\u00fcnden und vom Menschen selbst und nicht mehr vom Schicksal. Menschen werden Beziehungen f\u00fchren, weil sie bestimmte Eigenschaften des Partners zu sch\u00e4tzen wissen und nicht mehr aus Gewohnheit oder Angst, ansonsten allein sein zu m\u00fcssen. Und je weiter sich die Gesellschaft in diese Richtung bewegt, desto kleiner wird der Markt der Prostitution werden &#8211; weil die Menschen der Zukunft sich ohne den Austausch von Geld \u00fcber ihre Interessen und den Dienst, den sie aneinander leisten wollen, einig werden.<\/p>\n<p>__________<br \/>\n<small><a name=\"urheber\"><\/a>(*Falls du als Urheberin der Fragen deinen Namen genannt haben m\u00f6chtest, melde dich bitte bei mir! Ich verkneife mir das nicht, um dich zu \u00fcbergehen, sondern aus Diskretionsgr\u00fcnden, weil du ja vielleicht nicht im Blog einer Sexarbeiterin mit b\u00fcrgerlichem Namen genannt werden m\u00f6chtest.)<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztes Jahr im Herbst f\u00fchrte eine junge Dame*, die gerade ein Praktikum beim Missy Magazin machte, ein Interview mit mir durch. Eigentlich sollte es, so erz\u00e4hlte sie mir, im Druck erscheinen. 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