{"id":557,"date":"2013-01-25T16:50:38","date_gmt":"2013-01-25T14:50:38","guid":{"rendered":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=557"},"modified":"2013-05-03T00:09:57","modified_gmt":"2013-05-02T22:09:57","slug":"aufschrei-eine-kurze-erlauterung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=557","title":{"rendered":"#aufschrei &#8211; eine kurze Erl\u00e4uterung"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte kurz zwei sexistische Argumente erl\u00e4utern, die ich heute unter dem Hashtag #aufschrei getwittert hatte. \u00dcber beide Tweets ist es m\u00f6glicherweise aufgrund der Zeichenbegrenzung zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen gekommen, die ich ausr\u00e4umen m\u00f6chte.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Prostitution? Das kann doch keine Frau freiwillig\/gerne tun!&#8220; (Danke, ich bin also keine Frau.) #aufschrei<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>&#8222;Frauen sind von Natur aus sexuell weniger aktiv und wollen nur Sex mit Menschen, die sie auch lieben.&#8220; #aufschrei<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich hatte beide Aussagen in Anf\u00fchrungszeichen gesetzt, um zu verdeutlichen, dass das nicht meine Gedanken sind. Im Gegenteil, als Prostituierte h\u00f6re ich diese Phrasen so oder so \u00e4hnlich immer wieder. Sie werden als Argument gegen Prostitution (Prohibition \/ Abolitionismus) oder f\u00fcr die Legitimation staatlicher Bevormundung gegen\u00fcber Prostituierten hervorgebracht &#8211; meist von Menschen, die selbst weiblichen Geschlechts sind.<\/p>\n<p>Solche Aussagen schmerzen mich, weil sie mir mein &#8222;Frau-Sein&#8220; absprechen. Ich gehe der Prostitution aus Spa\u00df an der Freude nach, weil ich gerne sexuell aktiv bin und ich durch die Prostitution eine M\u00f6glichkeit habe, anonym (pseudonym) und unverbindlich sexuell aktiv zu sein. Die Prostitution ist also Teil meiner sexuellen Emanzipation als Frau. Sie ist Ausdruck meiner eigenen Gewalt \u00fcber meinen eigenen K\u00f6rper, Zeichen meiner sexuellen Selbstbestimmung. (Und ich bin bei weitem nicht die einzige Prostituierte, die es so sieht.)<\/p>\n<p>Wenn nun also Menschen &#8211; vorzugsweise Frauen &#8211; kommen und mir erkl\u00e4ren, dass &#8222;echte Frauen von Natur aus&#8220; nicht gerne anonymen Sex haben, wenn sie sagen, dass keine Frau sich je freiwillig prostituieren w\u00fcrde &#8211; dann sagen sie damit, a) dass ich keine (echte) Frau bin und b) dass meine Existenz der Natur widerspricht. Sie stellen in Abrede, dass ich eine Frau bin, weil ich Spa\u00df an anonymem Sex habe. Sie grenzen mich aus und diskriminieren mich, weil ich nicht ihrer Vorstellung, ihrem Klischee, ihrem Stereotyp vom &#8222;Frau-Sein&#8220; entspreche.<\/p>\n<p>Ja, das ist Sexismus. Ja, das ist Diskriminierung. Und ja, das tut weh.<\/p>\n<hr>\n<p><u>Erg\u00e4nzung vom 07.02.13<\/u>: Wenn ich die oben ausgef\u00fchrte Argumentation gebracht habe, ist eine andere Form der Diskriminierung der Versuch meines Gegen\u00fcbers, meinen Standpunkt wie folgt zu relativieren:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Na gut, du machst das vielleicht freiwillig, aber die Mehrzahl\/alle Anderen machen das aus Not. <a href=\"https:\/\/feministire.wordpress.com\/2011\/11\/13\/what-is-a-representative-sex-worker\/\">Du bist nicht repr\u00e4sentativ.<\/a>&#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe auch das Argument der &#8222;Not&#8220; schon vielfach entkr\u00e4ftet, z.B. <a href=\"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=457\">hier<\/a>. Da sich inzwischen mehr und mehr emanzipierte Sexarbeiter trauen, sich zu outen und f\u00fcr ihre Rechte einzutreten (go colleagues!), kann ich inzwischen auch das Argument der &#8222;Einzigartigkeit&#8220; entkr\u00e4ften. Ich bin nicht allein mit meiner Entscheidung F\u00dcR die Prostitution: <a href=\"http:\/\/www.sexwork-deutschland.de\/Prostituierten-Vereinigung\/Wir_zeigen_Flagge.html\">SexarbeiterInnen in Deutschland zeigen Flagge<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte kurz zwei sexistische Argumente erl\u00e4utern, die ich heute unter dem Hashtag #aufschrei getwittert hatte. \u00dcber beide Tweets ist es m\u00f6glicherweise aufgrund der Zeichenbegrenzung zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen gekommen, die ich ausr\u00e4umen m\u00f6chte. &#8222;Prostitution? 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