{"id":470,"date":"2011-05-19T11:17:00","date_gmt":"2011-05-19T09:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=470"},"modified":"2014-01-14T12:01:10","modified_gmt":"2014-01-14T10:01:10","slug":"studie-zu-studentenprostitution","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/courtisane.de\/blog\/?p=470","title":{"rendered":"Studie zu Studentenprostitution"},"content":{"rendered":"<p>Vor kurzem hatte ich hier zum Thema Studentenprostitution geschrieben und eine laufende Studie des Studienkollegs vorgestellt. Diese Studie ist nun offenbar gestern released worden, so schreibt der Tagesspiegel [<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/jeder-dritte-berliner-student-kann-sich-prostitution-als-job-vorstellen\/4186434.html\">Link<\/a>]. Obwohl ich mich an der Studie beteiligt und meine Kontaktdaten mit der Bitte um weitere Infos dagelassen hatte, habe ich keine Nachricht mehr von denen bekommen und daher nat\u00fcrlich auch nichts von der Release gestern gewu\u00dft. Schweinerei!<!--more--><\/p>\n<p>Der Tagesspiegelartikel st\u00fcrzt sich nat\u00fcrlich wieder auf die Frage, ob sich Studenten aus Geldnot prostituieren. Ja, nat\u00fcrlich tun sie das. Dass sich unter den Studenten, die finanzielle R\u00fccklagen haben oder von ihren Eltern unterst\u00fctzt werden, weniger prostituieren, als unter denen, die keine solche Unterst\u00fctzung erhalten, finde ich v\u00f6llig logisch und keine gro\u00dfe Erkenntnis. Aber hier wird es halt wieder dargestellt, als sei das etwas, was nur f\u00fcr Prostitution gelte. Nat\u00fcrlich nicht, es gilt f\u00fcr alle anderen Nebenjobs genauso! Trotzdem fragt keiner danach, in welchen anderen Metiers sich Studenten aus Geldnot noch so prostituieren. Ich glaube, der Anteil an Studenten, die Schulden haben oder keine finanzielle Unterst\u00fctzung von ihren Eltern erhalten ist generell unter denen gr\u00f6\u00dfer, die neben dem Studium jobben. Klar, wenn ich Kohle habe, mu\u00df ich nicht nebenbei als was auch immer arbeiten gehen. Keiner fragt danach, wieviele Studenten in anderen Nebenjobs ausgebeutet werden oder was mit &#8222;Ausbeutung&#8220; hier \u00fcberhaupt gemeint ist? Mangelnde Wertsch\u00e4tzung der Arbeit, geringer Stundenlohn, lange Arbeitszeiten, sinnlose Aufgaben? Das Gef\u00fchl, darunter zu leiden, habe ich als studentische Prostituierte genau nicht &#8211; daher habe ich mir diesen Job aus freien St\u00fccken ausgesucht. Worunter ich leide, ist die Doppelmoral der Gesellschaft, sind die Kommentare derer, die mir ob meiner Entscheidung Dummheit oder Opfertum unterstellen, die mich f\u00fcr unwert erkl\u00e4ren, weil ich aus freien St\u00fccken sexuelle Dienstleistungen anbiete. Die Bezahlung als Prostituierte ist gut, ich mu\u00df nicht viel Zeit f\u00fcr den Broterwerb aufwenden und ich kann mir meine Arbeitszeiten v\u00f6llig frei gestalten. Wieviele Studenten in anderen Nebenjobs k\u00f6nnen das von sich behaupten? Das interessiert komischerweise niemanden. Ich finde, die n\u00e4chste Studie sollte sich mit einem Vergleich von Prostitution als Nebenjob mit anderen Nebenjobs befassen und mal herausarbeiten, ob es studentischen Prostituierten tats\u00e4chlich so viel schlechter damit geht &#8211; wie das immer v\u00f6llig vorurteilsbehaftet von gerade denen behauptet wird, die noch nie ein Bordell von innen gesehen haben. Unbeachtet bleibt, wie immer, die Tatsache, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der wir alle dem Zwang, f\u00fcr unser \u00dcberleben Geld verdienen zu m\u00fcssen, ausgeliefert sind. Der eine entscheidet sich daf\u00fcr, seinen Lebensunterhalt als Call-Center-Agent zu bestreiten, der andere entscheidet sich f\u00fcr Sexarbeit. So what!?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem hatte ich hier zum Thema Studentenprostitution geschrieben und eine laufende Studie des Studienkollegs vorgestellt. Diese Studie ist nun offenbar gestern released worden, so schreibt der Tagesspiegel [Link]. 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